Wellness im Museum: Die 28. Lange Nacht der Museen in Berlin

Ist Euch schon das Titelbild der kommenden Langen Nacht der Museen in Berlin aufgefallen?

Langenachtdermuseen_programmheft

Vor einem blauen Hintergrund erstrahlt das weiße Abbild der Aphrodite Kallipygos. Wobei vor allem das untere Drittel neben dem roten Schriftzug ins Auge fällt. Ein makelloser Hintern wird dem Betrachter hier schamlos entgegen gestreckt. So setzt sich Kallipygos auch aus den griech. Wörtern "kalos" für schön und "pygos" für Hinterteil zusammen. Der göttliche Körper wirbt für das pralle Programm der über 70 teilnehmenden Museen und Ausstellungsorte. Doch nicht etwa "Sex Sells", sondern "Körper & Seele" ist das schöngeistige Motto dieser 28. Museumsnacht. Im Fokus steht das jahrhundertealte Streben nach "körperlicher und mentaler Integrität", heutzutage auch besser bekannt als Fitness & Wellness. Damit knüpft die Lange Nacht ganz nonchalant an das vom Wissenschaftsministerium 2011 ausgerufene Jahr der "Gesundheitsforschung" an.

Start- und Endpunkt für 5 kompakte Shuttle-Bus-Routen ist das Kulturforum. Dort werden die Besucher mit Kräutertee, fernöstlichen Shiatsu- und Tunia-Massagen sowie der WORDSPA-Installation der Lichtkünstlerin Andrea Hilger in die museale Wellness-Welt eingeführt.
Auch für digitales Gehirnjogging ist diesmal gesorgt: Zum ersten mal können sich Inhaber eines Smartphone kostenlos eine Gewinnspiel-App zur Langen Nacht herunterladen. Bin gespannt wie diese Aktion angenommen wird. Seit Dezember 2010 besitzt die Berliner Museumsnacht übrigens auch einen eigenen Twitter Account @MuseumsnachtB.

Ich werde mich wahrscheinlich an folgenden Orten herumtreiben:

Read the rest of this post »

Es war einmal: Computerspiele sind reif fürs Museum

Wer von euch erinnert sich noch an die Lemmings, Minesweeper oder Super Mario? Das die Games meiner Jugend ab sofort im Museum ausgestellt werden, lässt mich ziemlich alt aussehen. Trotzdem freue ich mich schon sehr auf die Eröffnung des weltweit ersten Computerspielemuseums am Freitag in Berlin.

In den neuen Räumlichkeiten im ehemaligen Café Warschau, einst eines von sechs ehemaligen Nationalitätenrestaurants, in denen DDR-Bürgern Gastrokultur aus den sozialistischen Bruderländern geboten wurde, wird dann die Geschichte des Computerspiels erzählt werden. Von fast schon antik anmutenden Atari-Konsolen über Klassiker wie Tetris bis hin zu zeitgenössischen Online-Rollenspielen wie World of Warcraft erwartet den Besucher eine Zeitreise durch die digitale Spielewelt. Dem Sammlungsschwerpunkt entsprechend ist die Ausstellung interaktiv gestaltet, es darf also auch selbst gespielt werden.

Computerspiele werden übrigens seit zwei Jahren offiziell als Kulturgut angesehen. Was vor allem daran liegen mag, das die Computerspielebranche zusammen mit der Filmindustrie inzwischen zum umsatzstärksten Zweig der Kulturindustrie gehört. Warum es gerade in Zeiten rasanten technologischen Fortschritts besonders wichtig ist, Dinge wie Computerspiele samt dazugehöriger Technik auszustellen, zu sammeln und zu bewahren, zeigt anschaulich dieses Video mit dem schönen Titel "Il était une fois... les technologies du passé" (Es war einmal... vergangene Technologien). Das mich vor kurzem über die Deutsche Museums E-Mail-Liste erreichte.

Und wer sich für die Zukunft interessiert, dem sei der Kurzfilm "Play" von David Kaplan und Eric Zimmermann ans Herz gelegt, in dem das ganze Leben zu einem vielschichtigen Computerspiel wird und die Grenzen zwischen Realität und gespielter Fiktion verschwimmen.

 

Guter Vorsatz: Diese 14 Berliner Museen und Ausstellungsorte möchte ich 2011 endlich besuchen

Berlin hat über 175 Museen und Sammlungen und gehört damit zu einer der weltweit größten Museumslandschaften. Ich muss jedoch gestehen, dass ich es als gebürtige Berlinerin mit über 30 Jahren Lebensmittelpunkt in dieser Stadt noch nicht geschafft habe sie alle zu besuchen. Zu meiner Verteidigung kann ich sagen, dass einige einfach echt weit draussen liegen oder erst in den letzten Jahren neu hinzugekommen sind. Darunter auch viele mit eher kuriosen Sammlungsschwerpunkten wie das Buchstabenmuseum, das Currywurstmuseum, das Museum der Unerhörten Dinge oder das Ramones-Museum.

Als guten Vorsatz für 2011 habe ich mir vorgenommen, folgenden 14 Museen und Sammlungen in Berlin endlich einen Besuch abzustatten:

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, seit 1988
Berliner-Unterwelten-Museum, seit 1998
Buchstabenmuseum, seit 2005
Computerspielemuseum, seit 1997
Das Neue Museum, wiedereröffnet 2009
Deutsches Currywurst Museum Berlin, seit 2009
Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, seit 1993
Historische Hafen Berlin, seit 2002
Miesvanderrohehaus, seit 1990
Museum der Unerhörten Dinge, seit 1998
Musikinstrumenten Museum, seit 1984
Museumswohung Hellersdorf, seit 2004
Ramones-Museum, seit 2005
Sammlung Haubrok Berlin, seit 2005

Mal schauen, ob ich dieses Pensum schaffe. War denn jemand von euch schon mal an diesen Orten? Welche Museen und Sammlungen wolltet ihr schon immer mal besuchen?

Eine umfangreiche Übersicht ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu den verschiedenen Berliner Häusern gibt es übrigens unter berlin.de.

Flickr_neues_museum_berlin_audringje

Foto von Flickr: Neues Museum Berlin fotografiert von Audringje

Ranking: Die aktuellen Top 20 deutscher Museen auf Facebook & Twitter

Auch deutsche Museen und Ausstellungshallen sammeln seit einiger Zeit eifrig Fans und Follower, um den Kontakt zu Besuchern sowie den Austausch mit ihnen voranzubringen. Anlaß genug für die Düsseldorfer PR-Agentur Conosco diese neuen Sammlungsschwerpunkte regelmäßig unter die Lupe zu nehmen. Seit etwa einem Jahr veröffentlicht die Agentur auf ihrem Blog "PR-Kloster" ein monatliches Top-20-Ranking deutscher Museen bei Twitter und Facebook.

Platz 1 im Twitter-Ranking belegt derzeit das NRW-Forum Düsseldorf mit 13.162 Followern. Spitzenreiter im aktuellen Facebook-Fanseiten-Ranking ist die für Ausstellungen zeitgenössischer Fotografie bekannte Institution C/O Berlin mit 13.946 Fans. Im internationalen Vergleich sind das allerdings nur Peanuts, wenn man sich die unglaubliche Zahl von 619.791 Fans des Museum of Modern Art in New York anschaut.

Hier nun die jeweiligen Top 5 für einen ersten Überblick. Das komplette Ranking mit Stand vom 3.1.2011 gibt es auf pr-kloster.de.

Twitter Ranking

1 NRW-Forum Düsseldorf, 13.162 Follower
2 Müritzeum Waren, 11.482 Follower
3 Mercedes Benz Museum Stuttgart, 7.702 Follower
4 Städel Museum Frankfurt a. Main, 2.896 Follower
5 SCHIRN Kunsthalle Frankfurt a. Main, 2.221 Follower

Facebook Fanseiten Ranking

1 C/O Berlin Berlin, 13.946 Fans
2 NRW-Forum Düsseldorf, 12.270 Fans
3 Mercedes Benz Museum Stuttgart, 11.371 Fans
4 KW Institute for Contemporary Art Berlin, 7.833 Fans
5 SCHIRN Kunsthalle Frankfurt a. Main, 5.426 Fans

Facebook Fanseiten Ranking International

1 MoMA The Museum of Modern Art New York, 619.791 Fans
2 Metropolitan Museum of Art New York, 376.341 Fans
3 Acropolis Museum Athen, 244.280 Fans
4 Musée du Louvre Paris, 220.830 Fans
5 Guggenheim Museum New York, 173.025 Fans

Was hängt eigentlich beim Durchschnittsbürger so an der Wand?

Kunst in Museen ist meistens ziemlich wertvoll und stammt oft von ziemlich bekannten Künstlern. Doch was hängt sich eigentlich der Durchschnittsbürger so an die Wand? Und woher stammen diese "Kunstwerke", die die heimischen Wohnstuben verschönern? Genau diesen Fragen ist die britische Komikerin und Moderatorin Sue Perkins in der unterhaltsamen BBC Dokumentation "The Art On Your Wall" nachgegangen, auf die ich vor kurzem per Zufall gestoßen bin.

So werden die preiswerten Drucke für den Massenmarkt heute in riesigen Fabriken hergestellt. High-Tech Printer produzieren sie am laufenden Meter in millionenfachen Auflagen. Die Bilder werden dann online oder in Shops wie Ikea, Argos u.a. angeboten. Oftmals sind sie bereits fertig gerahmt, sozusagen "Ready-to-Hang" und sie gehören zu den meist verkauften "Kunstwerken" unserer Zeit. Wer hätte bspw. gedacht, dass eines der weltweit populärsten Bilder die Fotografie "Ullswater" von Mel Allen ist?

Perkins spürt auch die Urheber dieser massenkompatiblen Kunstmotive auf. Illustratoren, Fotografen, Hobbymaler, deren Namen kaum jemanden bekannt ist. Interessanterweise kann letztlich auch keiner von Ihnen den Erfolg des eigenen Bildes genau erklären.

Kaufhauskunst aus den 1950er und 1960er Jahren wird übrigens aufgrund ihres Kitsch- und Trashfaktors von Liebhabern bereits eifrig gesammelt. Besonders begehrt sind dabei die Nachdrucke von Bildern des russischen Künstlers Vladimir Tretchikoff. Allen voran "The Chinese Girl" besser bekannt als "The Green Lady".

Ich selbst kann diese Begeisterung für nostalgischen Kitsch nur zu gut verstehen. Auch bei mir in der Wohnung hängt eine aus Kunststoff gefertigte Maske aus den 1960ern an der Wand, die ich vor etlichen Jahren auf dem Trödelmarkt erstanden habe. Neugierig bin ich jetzt natürlich auch, welche Bilder und Objekte eure Zimmerwände denn so verschönern? Aber vorher schaut euch unbedingt die Doku an.

Maske

Interaktive Führung: Mit Post-its auf der Spur von Moholy-Nagys Kompositionen

2011_eintrittskarte_moholy-nagy
Sonntag, Punkt 15 Uhr. Zusammen mit einem Dutzend anderer Kunstinteressierter versammle ich mich im Foyer des Martin-Gropius-Baus. Wir alle sind Teilnehmer der öffentlichen Führung durch die Ausstellung „László Moholy-Nagy. Kunst des Lichts“. Wie sich im Verlauf herausstellt, ist es eine interaktive, moderierte Führung. Ein Format, das statt einstündiger Frontalbeschallung auf aktivierende Fragen und den Einsatz von Requisiten setzt, um den Besuchern die Ausstellungsinhalte näher zu bringen.

Wie kann man sich eine solche interaktive Führung vorstellen?

Das folgende Beispiel gibt Aufschluß:

Anstatt die Kompositionsmerkmale von Moholy-Nagys Fotografien lang und breit verbal zu erläutern, verteilte unsere Ausstellungsbegleiterin kurzerhand Post-it Blöcke und Bleistifte an jeden, der Lust hatte mitzumachen. Dazu gab sie die Anregung, auf den ausgestellten Fotos nach geometrischen Formen zu suchen wie Dreiecke, Quadrate etc. und diese dann auf den gelben Zetteln kurz zu skizzieren. Diese einfache Aktion sorgte für regen Austausch und Bewegung innerhalb der Gruppe. Wir zeigten uns gegenseitig unsere Formenskizzen und ließen einander erraten, auf welchem der ausgestellten Fotografien wir die Formen gefunden hatten. So kamen wir untereinander ins Gespräch und lernten ganz nebenbei die kompositionellen Merkmale der Bilder und ihren ausschnitthaften Charakter kennen.

Meine beiden Post-it Skizzen seht ihr übrigens hier.
2011_post-its_moholy-nagy
Wer die Ausstellung bis 16.1.2011 noch besucht, kann mal schauen, ob er die zu meinen Post-it Skizzen passenden Fotografien von Moholy-Nagy entdeckt. Kleiner Tipp: Sie hängen im ersten Ausstellungsraum an der rechten Seitenwand.

Wer nicht so lange warten möchte, liest jetzt einfach weiter.

Read the rest of this post »

museophil ins neue Jahr

"Museums deliver what has become increasingly rare in our world: the opportunity to disconnect from our hyper-connected lives, and the possibility of wonder."

Dieses Zitat stammt aus dem lesenwerten Artikel Museum 2.0: What Happens When Great Art Meets New Media? von Arianna Huffington. Die Autorin beschreibt darin treffend die Herausforderungen, die das digitale Medienzeitalter an Museen und Kulturinstitutionen stellt. Einerseits sind da die vielen neuen Möglichkeiten, die das Mitmach-Web 2.0 und die digitale Kommunikation heute bieten, andererseits stellt sich die Frage, wie man diese sinnvoll mit dem Museum als einen physisch und live erlebbaren Ort in Beziehung setzt.

Als aktiver Museumsbesucher verfolge ich diese Entwicklungen mit großem Interesse und starte museophil als einen Blog über meine Museumserlebnisse im Spannungsfeld zwischen Offline und Online. Berichten werde ich dabei insbesondere über Konzepte, Methoden und Ideen rund um die Vermittlungsarbeit in Museen und Ausstellungshäusern.

Ich freue mich über Feedback und Austausch zu diesen Themen und bin gespannt, wohin die museophile Reise geht.